Starke Kinder, starke Gemeinschaft: Wie Generationen sich in Bewegung und Spiel begegnen können
Viele Kinder aus Familien mit besonderen Lebenserschwernissen erleben, dass ihre Familien durch Herausforderungen wie mangelndem bezahlbaren Wohnraum räumlich weiter entfernt voneinander leben. Die Kinder wachsen so häufig ohne regelmäßigen Kontakt zu wichtigen Bezugspersonen wie den Großeltern oder anderen Verwandten auf. Diese fehlenden generationsübergreifenden Bindungen sowie die positiven Erfahrungen mit Erwachsenen können dazu führen, dass Kindern wichtige emotionale Ressourcen und Unterstützungsnetzwerke fehlen. Gleichzeitig sind auch viele ältere Menschen selten in der Lage, Zeit mit ihren Enkeln oder Urenkelkindern zu verbringen.
Vor diesem Hintergrund wurde das generationsübergreifende Bewegungsangebot in der Johanniter Begegnungsstätte Riesa ins Leben gerufen. Einmal wöchentlich besuchen die Kinder der Johanniter Kita Am Park mit mir die Begegnungsstätte, wo sie gemeinsam mit den Senior*innen spielerisch Sport, Bewegung, Spiel und Tanz erleben.
Der Einstieg erfolgt in einem gemeinsamen Stuhlkreis, gemeinsam wird ein Begrüßungs- und Bewegungslied gesungen. Ältere Lieder wie: „Wer will fleißige Sportler sehn…“ oder „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh…“ begleiten in der Sportstunde genauso wie auch unterschiedliche Spiele mit dem Ball, mit Luftballon und Fliegenklatsche aber auch mit Klanghölzern, Tüchern oder dem Schwungtuch. Zur Sportstunde gehören ebenso Gleichgewichtsübungen, Atemübungen und am Ende die beliebten Entspannungsgeschichten. Die Kinder sind stolz auf das, was sie können, und gehen mit großer Motivation an die Übungen heran. Mit viel Einfühlungsvermögen unterstützen sie die Senior*innen, wenn eine Bewegung einmal schwerfällt.“
Während der Sportzeit sind bereits ein Tüchertanz und der Sportwalzer mit den Klanghölzern einstudiert worden. Beides wurde gemeinsam beim Sommerfest der Kita vorgeführt und mit großem Beifall belohnt. Die Sportzeit wird auch für den Austausch zwischen den Generationen genutzt: In der Osterzeit erzählten die Senior:innen über alte Osterbräuche. Die Kinder hören den spannenden Geschichten der Senior*innen immer sehr aufmerksam zu. Zum Tag der Demenz, wurden gemeinsam Vergissmeinicht-Pflanzen in die Hochbeete der Begegnungsstätte eingepflanzt.
Die Kinder lernen durch den Umgang mit älteren Menschen Fürsorge, Rücksichtnahme und soziale Verantwortung. Sie helfen beispielsweise, indem sie einen Rollator justieren oder einen Becher Wasser reichen. Diese alltäglichen Gesten stärken ihr Sozialverhalten. Sie erleben soziale Teilhabe, knüpfen neue Beziehungen und gewinnen durch den Kontakt mit älteren Menschen an Selbstvertrauen. Dabei werden Empathie, Sprache und Rücksichtnahme gestärkt. Gemeinsame Aktivitäten wie Bewegung und Spiel fördern zudem ihre körperliche, emotionale und kognitive Entwicklung. Darüber hinaus bauen sie Kontakte auf und begrüßen sich freudig, wenn sie sich beim Einkaufen oder auf der Straße treffen.
Das Projekt schafft eine wertvolle Verbindung von Bewegung, Begegnung und Beteiligung. Gerade für Kinder in herausfordernden Lebenslagen mit schwierigen Startbedingungen wirkt es wie ein geschützter Raum, in dem sie sich körperlich, emotional und sozial entfalten können. Es bietet ihnen nicht nur neue Erfahrungen, sondern auch Stabilität, Zugehörigkeit und Anerkennung als zentrale Bausteine für ein gesundes Aufwachsen.
Ute Heßlich // KINDER STÄRKEN-Fachkraft Kita Am Park, Riesa
– Frühsommer 2026 –
Titelbild Boom Photography/Pexels