Gemeinsam vielfältig – Eine Projektwoche von Kita und Grundschule
Die Kita Kleeblatt (Kindergarten und Hort) und die Kunzemannschule in Döbeln begleiten seit vielen Jahren Kinder und Familien in ihrer ganzen Vielfalt. Unterschiedliche Sprachen, kulturelle Prägungen, Familienformen und Lebenserfahrungen bereichern den Alltag und schaffen zahlreiche Möglichkeiten für gemeinsames Lernen, gegenseitiges Verstehen und lebendige Bildungspartnerschaften.
Um diese Partnerschaften weiterzuentwickeln, arbeite ich als KINDER STÄRKEN-Fachkraft eng mit der Schulsozialarbeiterin der benachbarten Grundschule zusammen. Die Kunzemannschule führte bereits seit mehreren Jahren eine Projektwoche mit fächerübergreifendem Unterricht durch, während die Kita traditionell ein Sommerfest organisierte. Warum also nicht beides miteinander verbinden? So entstand die Idee für ein gemeinsames Projekt. Die Projektwoche wurde bewusst so terminiert, dass sie am Weltkindertag (20. September) mit dem Sommerfest ihren feierlichen Abschluss fand.
Von Anfang an war die enge Abstimmung zwischen Schule, Hort und Kindergarten zentral: Inhalte wurden aufeinander abgestimmt, Aktionen gemeinsam geplant und Ressourcen gebündelt. Als zusätzliche Fachkraft erstellte ich ein umfangreiches Programmheft mit Hintergrundinformationen und entwickelte im Anschluss ein Kita-Kochbuch mit Rezepten aus der internationalen Küche.
Mit einem Guten Morgen in 18 verschiedenen Sprachen begann die Woche für alle Kinder gemeinsam. In der Grundschule widmete sich jede Klasse einem Kontinent. Die Kinder recherchierten, bastelten und musizierten. Ihre Ergebnisse, darunter chinesische Drachenmasken, Papierwindmühlen oder Modelle des australischen Uluru Rock wurden in kleinen Ausstellungen präsentiert.
Im Kindergarten entstanden Flaggen und ein internationales Memoryspiel. Beim Vorlesen tauchten die Kinder in unterschiedliche Lebenswelten und Geschichten ein. Die Hortkinder setzten sich mit meiner Unterstützung kreativ mit Themen wie Kinderrechten, Körperkunst und familiären Wurzeln auseinander und gestalteten Plakate. Die Kinder lernten voneinander, arbeiteten zusammen – oft klassen- und einrichtungsübergreifend.
Ein besonderes Erlebnis war ein Rhythmusworkshop mit Cajon, Conga, Djembe und weiteren Instrumenten, an dem Kinder aus Schule und Hort gemeinsam teilnahmen. Die Begeisterung war groß – nicht nur beim Musizieren, sondern auch beim gegenseitigen Entdecken von Talenten und Interessen.
Neben den vielfältigen Angeboten bot die Projektwoche auch Freiräume für Kreativität und Eigeninitiative. So kamen am ersten Tag drei Kinder ganz aufgeregt zu mir. Sie nutzten die Chance und gründeten spontan die Band Die Powergirls. Ich habe sie darin bestärkt und bei ihren Proben unterstützt. Mit viel Mut und einem selbst geschriebenen Lied bereicherten sie die Eröffnung des Sommerfests – ein starkes Zeichen für kindliche Selbstgestaltungskräfte.
Auch der Essenanbieter griff das Thema der Woche auf und ergänzte die Mittagsversorgung um internationale Gerichte. Im Kindergarten gab es am Mittwoch ein Frühstück mit Croissants, Bagels und einem bunten Früchtemix. Zum Nachmittagsvesper bereiteten die Hortkinder vielfältig gefüllte Wraps zu.
Am Freitag war es schließlich soweit: Am Nachmittag wurde das große Sommerfest feierlich eröffnet. Mehr als 30 Eltern beteiligten sich am Buffet und brachten Speisen mit, die für ihre Familien eine besondere Bedeutung haben oder die sie gern mit anderen teilen wollten.
Arndt Kretzschmann vom Projekt ElternChanceN unterstützte das Fest mit der Fotobox der AWO. Gleichzeitig bot sich für Familien die Möglichkeit, sich im persönlichen Gespräch über familienunterstützende Angebote zu informieren, auf die ich auch im Alltag regelmäßig aufmerksam mache.
Besonders beliebt waren die Henna-Malereien, die mit Unterstützung von Müttern angeboten wurden – eine kreative Alternative zum klassischen Kinderschminken. Auf einem Kinderflohmarkt konnten Spielsachen verkauft, getauscht oder günstig erworben werden. Eine Hüpfburg und zahlreiche Spielaktionen luden alle Kinder zum Mitmachen ein.
Für mich war das gemeinsame Fest eine Gelegenheit, mit Familien ins Gespräch zu kommen und an bestehende Kontakte anzuknüpfen. Auf zahlreichen Fotos konnte ich viele schöne Begegnungen festhalten.
Was bleibt, ist eine Woche voller Begegnung, Wertschätzung und Zusammenarbeit. Sie eröffnete den Kindern neue Perspektiven, stärkte den Austausch zwischen den Familien und machte die Vielfalt der Gemeinschaft sichtbar. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Besonders berührend war das Feedback vieler Eltern, die sich aktiv einbezogen und in ihren Erfahrungen und Beiträgen wahrgenommen fühlten. Auch die enge Zusammenarbeit zwischen Schule, Hort und Kindergarten wurde von der Lokalpresse als gelungenes Beispiel vernetzter Bildungsarbeit hervorgehoben.
Heike Anker // KINDER STÄRKEN-Fachkraft Kita Kleeblatt, Döbeln
– Sommer 2026 –
Titelbild und Bilder im Text © Heike Anker
NEIN heißt NEIN – Sozialkompetenzförderung im Hort
Der Hort der Kita Kleeblatt in Döbeln hat sich der Förderung eines friedlichen und toleranten Miteinanders verschrieben. Um besser mit problematischen Situationen und Auseinandersetzungen umgehen zu können, habe ich ein mehrtägiges Ferienprojekt initiiert. Dieses fand im Sommer 2024 unter fachkundiger Anleitung des Vereins für Aktivität und Prävention (VAP) e. V.– Aktiv gegen Gewalt statt.
Eine Trainerin des Vereins führte an vier Tagen ein aktives und auf unterschiedliche Altersgruppen abgestimmtes präventives und korrektives Verhaltenstraining durch. Dabei reflektieren die Kinder zunächst ihr bisheriges Sozialverhalten, um daraufhin neue Verhaltensstrategien zu erproben. Auch die praktischen Übungen halfen dabei, ein friedliches (Konfliktlösungs-) Verhalten auf dem Pausenhof und in den Hortzimmern zu trainieren und den Zusammenhalt der Kinder im Hort zu stärken.
Für Kinder ist es nicht immer selbstverständlich, über sich selbst zu sprechen, eigene Gefühle zu benennen, Erwartungen zu äußern und auch NEIN sagen zu dürfen. Das wird im Alltag oft viel zu wenig geübt. Dafür boten die Projekttage ausreichend Raum und Übungsmöglichkeiten.

Es war toll zu beobachten, wie vor allem zurückhaltende Kinder mit jeder Übung mutiger und selbstbewusster wurden und sich schon nach wenigen Versuchen trauten, sich aus einer unangenehmen Situation herauszuwinden oder sogar mit voller Überzeugung NEIN zu sagen. Einige Kinder zeigten sich bereits sehr selbstbewusst, aber auch für sie war es bereichernd, ihr Verhalten in bestimmten Situationen zu reflektieren und zu üben.

Bei der Übung im Foto oben sollten sich die Hortkinder aus dem Griff der Trainerin befreien und ganz schnell weglaufen. Anfangs waren die Kinder dabei noch sehr verhalten und vorsichtig, riefen nur leise Hilfe. Am Ende der Übung riefen sie so laut, dass Anwohnende sogar die Polizei alarmierten. Die Beamten waren auch vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Es konnte schnell Entwarnung gegeben werden.
Aus dem Wort FEHLER das Wort HELFER machen zu können – dieser Perspektivwechsel der Trainerin hat uns ausgesprochen gut gefallen! Im Alltagsgeschehen liegt leider zu oft der Fokus auf Fehlern – und die Verursachenden fühlen sich schuldig. Auch wenn Fehler häufig erstmal als unangenehm empfunden wurden, gehen wichtige Erfahrungen daraus hervor. Aus denen können Kinder lernen und auch andere davon profitieren – genau das macht sie so hilfreich und wertvoll. In meiner Tätigkeit als zusätzliche Fachkraft im Programm KINDER STÄRKEN 2.0 ist es mir wichtig, diesen Ansatz den Kindern auch bei meinen Angeboten näherzubringen und Fehler als Helfer beim Lernen zu sehen.

Durch die Zusendung von Materialien zur Nachbereitung bekam das Kita-Team einen sehr guten Leitfaden für die weitere Arbeit mit den Kindern. Die erwachsenen Teilnehmenden können als Multiplikator:innen unterstützen, die Projektinhalte bei allen Hortkindern bekannt zu machen und deren Umsetzung im Alltag zu üben. Bei den teilnehmenden Kinder wirken die Erfahrungen aus dem Projekt in den Hortalltag hinein und erreichen dadurch auch die anderen Kinder.
Die Kinder haben sich wunderbar auf das Projekt eingelassen und ein großer Dank geht an die Trainerin und an alle Unterstützenden, die das Projekt möglich gemacht haben. Die Finanzierung wurde über die Unfallkasse Sachsen, den Aktionsplan gegen Gewalt des Landratsamtes Mittelsachsen und aus Teilnahmebeiträgen der Kinder sichergestellt. Die Kooperationspartner für die Finanzierung waren der Kita-Träger (Stadtverwaltung Döbeln) und der Treibhaus e.V.
Heike Anker // Programmfachkraft in der Kita Kleeblatt, Döbeln
– August 2024 –
Titelbild Rawpixel/Freepik
Bilder im Text © Heike Anker



