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Netzwerktreffen 2026 DD_5170 - Kopie

Am 2. März 2026 trafen sich zusätzliche Fachkräfte und Einrichtungsleitungen aus Dresden sowie den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zum Netzwerktreffen in der Evangelischen Hochschule in Dresden. Thema des Austausches war Sucht und Abhängigkeiten in Familien als Einflussfaktor der Lebenslage von Kindern.

Nach der Begrüßung durch den KBS-Projektleiter Andreas Wiere (ehs Zentrum) eröffnete der Kurzfilm Erinnerungen einer vergessenen Kindheit das Treffen thematisch. Der Film von Lars Smekal zeigt einen Ausschnitt aus dem Leben des elfjährigen Niklas, Sohn einer alkoholkranken Mutter und eines spielsüchtigen Vaters. Niklas ist hin- und hergerissen: zwischen dem Pflichtgefühl seinen Eltern gegenüber und dem Wunsch, diesem Elternhaus zu entfliehen. Der Film startet den Versuch, das oft unsichtbare Leid von Kindern aus Familien mit Abhängigkeiten sichtbarer zu machen. Im Anschluss trafen sich die Teilnehmenden in Kleingruppen zu Empathierunden und tauschten sich über ihre Eindrücke aus.

Wenn Familien Sucht prägt – von Anfang an
Im Mittelpunkt des Netzwerktreffens stand der Vortrag von Prof. Dr. Ruthard Stachowske zu Sucht und Abhängigkeit in Familien: Hintergründe, Risiken und Zugänge in der Arbeit mit Kindern. Der Sozialpädagoge und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut ist Leiter einer Fachklinik für Abhängigkeit/Adaption, Autor zahlreicher Fachartikeln und arbeitet seit vielen Jahren mit Familien im Abhängigkeits- und Suchtkontext. Stachowske betonte die komplexen Zusammenhänge zwischen vor- und nachgeburtlicher Entwicklung, berichtete vom neonatalen Entzugsyndromen, dem fetalen Alkoholsyndrom und erklärte, dass auch Kinder aus suchtbelasteten Familien, die einen abhängigkeitsfreien Schwangerschaftsverlauf erlebt haben, in ihren Sozialisationsverläufen häufig erheblich beeinträchtigt sind. Denn: Wenn abhängigkeitskranke Eltern oder Großeltern Teil der Sozialisation sind, dann erleben diese Kinder die Normalität von Abhängigkeit im Alltag. Er berichtete von Kindern aus Familien mit Abhängigkeitsproblematik, die ihre kleineren Geschwister versorgen und daher nicht in die Kita gehen wollen. Zudem verwies er auf den chronischen Mangel an Therapieplätzen für betroffene Familien und Kinder. Gleichzeitig rief er die Teilnehmenden dazu auf, ihre Perspektive zu erweitern: hinsehen, auch wenn die Problemlagen einem persönlich unbekannt sind und man muss aushalten können. Zum Wohle der Kinder mit Abhängigkeitshintergrund.

Titelbild und alle Bilder im Text © ehs Dresden

Bewusstsein für das Thema schaffen
Nach dem Vortrag kamen die Teilnehmenden über das Gehörte ins Gespräch und nutzten die Gelegenheit zum weiteren Netzwerken. Anschließend wurde sich in Kleingruppen getroffen: Während eine Gruppe offene Fragen mit Prof. Dr. Stachowske klärte, leiteten Koordinator:innen der KBS die anderen Kleingruppen. Diskutiert wurden unter anderem Fragen wie: „Woran erkennt man Kinder mit Abhängigkeitsproblematiken in der Familie?“ oder „Welche Unterstützung brauchen diese Kinder?“ Kindergärten und Horte sind häufig Orte, an denen Belastungen sichtbar werden. Umso wichtiger ist es, dass Fachkräfte Warnsignale erkennen, genau hinsehen und zuhören sowie Handlungsschritte im Umgang mit betroffenen Kindern und Eltern entwickeln. Einigkeit bestand darin, dass es mehr Bewusstsein, Sichtbarkeit und Verständnis für dieses Thema braucht – als Grundlage für wirksame Unterstützungsangebote. Oder, wie  Prof. Dr. Stachowske es formulierte: „Wir müssen das Undenkbare denken lernen.“

Hier gibt es die Präsentation von Prof. Dr. Stachowske.

 

Weiterführende Informationen der KBS
Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen

Wissensnetzwerk Kinder in suchtbelasteten Familien

Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Sächsische Suchthilfe

Filmbeiträge der Fach- und Koordinierungsstelle Suchtprävention Sachsen
„…die Party ist dann vorbei“ Sucht- und Crystalbetroffene Eltern

Bündnis KidsFam – Für Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien

Broschüre ALLES TOTAL GEHEIM