Kita "Bergpiraten"

Träger: Stadtverwaltung Bad Muskau

Schillerstr. 1a
02953 Bad Muskau
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Teilnahme am Programm: 2016-2022

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Vom EU-Förderprogramm zur Kitasozialarbeit bei den „Bergpiraten“ in Bad Muskau


Im Oktober 2016 begann ich als Zusätzliche Fachkraft im Rahmen des EU-Förderprogramms „Kinder stärken – Maßnahmen für Kinder mit besonderen Lern- und Lebenserschwernissen“ in der Kindertageseinrichtung „Bergpiraten“ Bad Muskau. Zurzeit (Januar 2020) können in unserer Einrichtung insgesamt 153 Kinder betreut werden. Hierzu stehen uns 48 Plätze in der Kinderkrippe zur Verfügung, 105 im Kindergartenbereich.

Das „Gesunde Leben“ ist inhaltlicher Schwerpunkt unserer Kindertageseinrichtung. Im November 2018 wurden wir über die Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung als „Gesunde Kita“ zertifiziert und setzen dieses Thema pädagogisch mit dem Gesundheitskonzept nach Sebastian Kneipp um. Eine Zertifizierung als „vom Kneipp Bund e.V. anerkannte Kindertageseinrichtung“ streben wir in naher Zukunft an.

Mittlerweile befinden wir uns in der zweiten Förderperiode des EU-Förderprogrammes „Kinder stärken“ und können somit bereits auf – recht abwechslungsreiche – 3,5 Jahre Programmarbeit zurückblicken. Meine Tätigkeitsfelder im ersten Förderzeitraum von 10/2016 bis 09/2018 fanden sich hauptsächlich bei den Kindern wieder. Zum Beispiel plante ich unter anderem ein Angebot für eine Kleingruppe von fünf Jungen mit erhöhtem Bedarf an Bewegung und führte dies für den Zeitraum von ca. 6 Monaten erfolgreich durch. Dieses Kleingruppenangebot besaß einen sportlichen Charakter. Den Kindern wurden so die Möglichkeiten, die Räume und die Zeit gegeben, um ihrem Bewegungsdrang in geschütztem Rahmen nachzukommen. Bei einem von den sechs Jungen lief in diesem Zeitraum die Diagnostik zum Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Drei weitere Jungen besaßen Merkmale, aber wurden nicht diagnostiziert. Aus diesen Gründen fielen sie auch nicht in den Bereich der Integration. Ihr besonderes Verhalten erschwerte in hohem Maße das Gruppengefüge, besonders im Zeitraum nach dem Frühstück bis zum Morgenkreis, welchen ich für mein Angebot an diese Kleingruppe nutzte. In diesem geschützten Rahmen konnten sie sich regelrecht auspowern, um danach am Morgenkreis und am regulären Gruppenalltag teilzunehmen. Diese Angebote hatten einen zeitlichen Umfang von 15 bis 30 Minuten, und fanden vier Mal die Woche fast ausnahmslos im Freien statt.

Zu Anlässen und Festen in unserer Einrichtung brachte ich mich in der Organisation, Durchführung und Nachbereitung mit ein und stand so den Fachkräften unserer Einrichtung unterstützend zur Seite. Diese Anlässe und Feste waren zum Beispiel Kinderfasching, das Kindertagsfest oder auch das Sportfest zum „Flizzy-Abzeichen“. Hauptaugenmerk meiner hierbei durchgeführten Tätigkeiten waren immer Kinder mit erhöhten Lern- und Lebenserschwernissen, um diesen eine adäquate Teilhabe und Integration an diesen Anlässen unserer Einrichtung zu ermöglichen. So zum Beispiel erwies sich meine Teilnahme bei dem Sportfest als unverzichtbar für Kinder, welche Besonderheiten oder erschwerende Voraussetzungen aufweisen, damit sie an diesem Sportfest teilnehmen konnten. Mir war es nämlich möglich, diesen Kindern in Eins-zu-eins-Situationen unterstützend zur Seite zu stehen, um die einzelnen erforderlichen Stationen für das „Flizzy-Abzeichen“ zu bewältigen. Sonst wäre bei den betreffenden Kindern sehr schnell die Frustrationsgrenze erreicht worden und das Erfolgserlebnis möglicherweise ausgeblieben.

Weiterhin stand und stehe ich auch immer den Gruppenerziehern bei Einschätzungen und Beobachtungen zu den einzelnen Kindern beratend und unterstützend zur Seite. Meine Außensicht auf die betreffenden Kinder und meine zusätzlichen Beobachtungen fließen so in Beurteilungen, Entwicklungsgespräche oder andere Einschätzungen zu Kindern mit ein.

Ab Oktober 2018 begann für unsere Einrichtung der zweite Förderzeitraum. Aufbauend auf meinem Tätigkeitsfeld der ersten Förderperiode erweiterte sich stetig mein Aufgabenbereich. Bedarfsbezogen entwickelte sich für mich in unserer Einrichtung eine intensive Arbeit mit Eltern der Zielgruppe unseres Programmes. Zunehmend fanden und finden jetzt regelmäßig Beratungs- und Unterstützungsangebote zu Anträgen, Schreiben und Forderungen von Ämtern statt. Beispielsweise habe ich auch Forderungen durch unseren Träger, die Stadtverwaltung Bad Muskau, an säumige Eltern mit diesen gemeinsam bearbeitet. Durch unsere geografische Lage bedingt, steigen seit dem Sommer 2019 die Anmeldungen für Kinder, deren familiärer Ursprung nicht in Deutschland liegt. Diese Kinder, und auch im besonderen Maße ihre Eltern, werden durch mich in der Anfangsphase sehr intensiv begleitet und betreut. Diese intensive Betreuung beinhaltet Erstgespräche, Eingewöhnungsgespräche mit den jeweiligen Gruppenerziehern zusammen, sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote bei den verschiedensten und notwendigen Anträgen für einen Platz in unserer Kindertageseinrichtung. Bei Fragen oder anstehenden Problemen stehe ich diesen Kindern und deren Eltern weiterhin zur Seite.

Zu Beginn des Jahres 2019 wurde durch meine zusätzliche Tätigkeit in unserer Einrichtung ein Workshop für Kinder ermöglicht und initiiert, welchen ich organisierte und begleitete. Bei dem Workshop handelte es sich um ein Angebot für Mädchen und Jungen im Alter von vier bis fünf Jahren aus allen altersgemischten Gruppen des Bereiches Kindergarten. Unter der Anleitung einer Mitarbeiterin des Momelino e.V. nahmen 24 Kindergartenkinder am Workshop teil und gingen mit „Anna auf Entdeckungsreise zu den Achtsamkeitsplaneten“. Schwerpunktmäßig setzte sich dieser Workshop mit einem achtsamen Umgang mit jedem einzelnen Individuum und unserer Umwelt, sowie auch mit unserer Natur auseinander. Unseren Kindern wurden hierbei Themen wie Klimaschutz und Müllvermeidung über einen spielerisch-kreativen und künstlerischen Ansatz vermittelt. Dieser Workshop war gerade wichtig für Kinder, die als Zielgruppe unseres Programmes zählen, da in ihren Familien wenig oder auch gar nichts zu diesen beiden Themen passiert.

Ein durch mich organisiertes Projekt war speziell an die Kinder der Gruppe zur Schulvorbereitung gerichtet. Hierzu wurden die beiden Bürgerpolizisten eingeladen, die in unserer Stadt ihren Zuständigkeitsbereich haben. Weitaus wichtiger allerdings war ein intensives Schulwegtraining, parallel zu den schon in der Gruppe stattgefundenen Angeboten durch die Gruppenerzieher. Hierdurch konnten die Kinder tiefergehend und intensiver das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben, welches durch die Bürgerpolizisten im öffentlichen Verkehrsbereich der Stadt Bad Muskau durchgeführt wurde.

In diesem gesamten Prozess in unserer Einrichtung werden wir seit Beginn des Förderprogrammes in unserem Haus durch die „Kompetenz- und Beratungsstelle zur Unterstützung von Maßnahmen für Kinder mit besonderen Lern- und Lebenserschwernissen“ (KBS) begleitet. Die KBS unterstützt die fachliche Weiterentwicklung und –qualifizierung der zusätzlichen Fachkräfte. In regelmäßigen Abständen finden Treffen mit unserem Koordinator der „Kompetenz- und Beratungsstelle“ in unserer Einrichtung statt, in denen zusammen mit der Einrichtungsleitung und mir als Kitasozialarbeiter/ zusätzliche Fachkraft fortlaufend Bedarfe geprüft werden. Weiterhin finden unter Organisation und Moderation des Koordinators Reflexionsgruppentreffen statt, an denen ich regelmäßig teilnehme und wir unter Kolleg*innen Fälle beraten und fachliche Themen diskutieren. Auch Workshops, Netzwerktreffen und Fachtage, die die Kompetenz- und Beratungsstelle organisiert, werden von mir regelmäßig besucht.

Meine zunehmend gewachsenen Aufgabenbereiche und Tätigkeiten lassen sich unter dem Begriff „Soziale Arbeit“ zusammenfassen. Obwohl meine Arbeit als zusätzliche Fachkraft im EU-Förderprogramm „Kinder stärken – Maßnahmen für Kinder mit besonderen Lern- und Lebenserschwernissen“ verortet ist, etabliert sich in unserer Einrichtung immer mehr der Begriff „Kitasozialarbeit“.

Sebastian Breitenstein, Kindertageseinrichtung „Bergpiraten“, Bad Muskau